Notizen zu den Mythen, Klasse y1a, November 2014
Die drei grossen Schriftreligionen
Das Judentum basiert auf dem Alten Testament, das ca. 1000 v. Chr. entstand. Das Christentum geht aus dem Judentum hervor, Christus wird von seinen Anhängern als Befreier und Erlöser gesehen, der das Zeitalter der göttlichen Gnade eröffnet. (Von den Juden wird Christus nicht als der erwartete Messias anerkannt). Das Neue Testament beschreibt das Leben Jesu und wurde im 1. Und 2. Jahrhundert nach Christus aufgeschrieben. Um ca. 600 n.Chr. schreibt Mohammed in Mekka den ihm offenbarten Koran nieder, der bei der jüdisch-christlichen Tradition anknüpft und Mohamed als letzten der Propheten aufführt.
Die Schöpfung
Gott soll, gemäss dieser mythischen Erzählung, die Erde, mit all ihren Feinheiten, in sieben Tagen erschaffen haben. Den Menschen rief er nach seinem Ebenbild ins Leben und übertrug ihm die Aufgabe, mit Bedacht sowie Verantwortung über alle Lebewesen zu herrschen.
Zitat aus der Schöpfungsgeschichte:
"Und Gott schuf den Menschen ihm zu Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.
Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht."(Apostelgeschichte 17.26) (Zeilennummerierung 27 und 28)
Adam und Eva (1. Buch Mose)
Der Mythos schildert die Erschaffung von Adam aus Lehm und göttlichem Odem und die Erschaffung Evas als Gehilfin Adams aus seiner Rippe, den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies.
Der Mythos von Adam und Eva macht zentrale Aussagen über Mann und Frau und deren Rolle in der Gesellschaft – die sich zum bis 1986 im alten Eherecht der Schweiz niederschlugen: Der Mann wird als Haupt der Familie gesehen, er bestimmt Wohnort und Familiennamen.
In der biblischen Erzählung ist Eva Adams Gehilfe, und sie trägt die Schuld an der Vertreibung aus dem Paradies (Erbsünde), weil sie sich von der Schlange verführen liess.
Exkurs: Modell Mann und Frau
Interpretation Martin Luther 1483-1546
Martin Luther hat diesen kurzen Text als Interpretation des
Biblischentextes von Adam und Eva im Paradies geschrieben. Er führt aus: Eva hat gesündigt. Daher verliert sie das Recht mit Adam zugleich zu Regieren
und muss ihn nun fürchten, ihm untertan und gehorsam sein.
Eherecht
in der Schweiz
Das Eherecht änderte sich in der Schweiz erst nach 1988
grundlegend. Davor galt der Ehemann als Haupt der Gemeinschaft, welcher die
eheliche Wohnung bestimmte und für Weib und Kind zu sorgen hatte. Die Ehefrau
erhielt den Familiennamen des Mannes, hatte den Haushalt zu führen und ihrem
Mann unterstützend mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Falls sie sich als
unfähig erwies diese Tätigkeiten auszuüben, konnte der Ehemann ihr die
Vertretung ganz oder teilweise entziehen. Ausserdem war die Ehefrau nur mit
ausdrücklicher oder stillschweigender Bewilligung des Mannes befugt, einen
Beruf oder ein Gewerbe auszuüben. Nach dem heutigen Zivilrecht bilden die
Ehepartner eine gleichberechtigte eheliche Gemeinschaft. Sie haben gemeinsam
für die Kinder und den Unterhalt der Familie zu sorgen und die eheliche Wohnung
zu bestimmen. Sie schulden einander Treue und Beistand. Jeder Ehepartner kann
seinen bisherigen Namen behalten. Will ein Ehepaar
den gleichen Namen tragen, können sie wie bisher als Familiennamen
entweder den Ledignamen der Braut oder den des Bräutigams wählen. Bei der Wahl
und Ausübung eines Berufes oder Gewerbes, nimmt jeder Ehegatte auf das Wohl und
die Bedürfnisse des andern und der ehelichen Gemeinschaft Rücksicht.
China, im Reich der Mosuo-Frauen
Das Volk der Mosuo lebt im Südwesten Chinas. Das Oberhaupt
der Familie ist eine Frau, sie trägt die volle Verantwortung und wählt ihren
Liebhaber selbst. Ihr Vorbild ist die Schutzgöttin, denn auch diese ist
weiblich. Mit 14 Jahren sind die Frauen erwachsen und könnten die Mutter
ersetzten.
Für die Erziehung der Kinder ist der Onkel verantwortlich, denn der Vater lebt
bei seiner eigenen Mutterfamilie. Nur nachts darf dieser die Frau besuchen
kommen, dies nennt man "Wanderehe". Das wichtigste für die Mosuo ist
die Harmonie in der Familie. "Lebe so wie du kannst!"
„Kain und Abel“, (1. Buch Mose)
Dieser Mythos zeigt uns einen Gott, der urteilt, richtet, straft und allwissend ist, der aber auch die Menschen durch die Willkür seine Urteils auf eine harte Pribe stellt. So ergeht es Kain, dessen Opfer Gott nicht gefällt. In ihm erwacht Eifersucht auf Abel, Gott sieht dies, stellt Kain zur Rede und hält ihm vor, die Sünde auf seiner Schwelle schlafen zu lassen. Kain ergrimmt nur noch mehr, erschlägt Abel und wird von Gott bestraft: Er soll von nun an als Vertriebener ein hartes Dasein fristen. Er schützt ihn aber auch vor den anderen Menschen, indem er ihm das Kainsmal auf Stirne zeichnet.
Begriffe: Protagonist, Antagonist
Sintflut (1. Buch Mose)
Gott sieht, dass die Menschen auf der Erde sündigt: Das Fleisch erhebt sich über den Geist Gottes, dem es sich zu unterwerfen hätte.
Gott beschliesst die ganze Menschheit von der Erde zu vertilgen, verschont aber Noah, dem er den Auftrag gibt, ein Schiff - oder eiben eine Kiste – zu bauen, darin er sich und von jedem Tier ein Paar rette.
Der Mythos zeigt uns einen Impulsiven Gott, der nicht logisch handelt, sondern aus archaischen Impulsen, indem er seine eigene Schöpfung im Meer seiner Enttäuschung vertilgen will.
Prometheus
Dieser griechische Mythos erzählt die Erschaffung des Menschen durch Prometheus und beschreibt, wie dieser die Menschen führte und bildete und gegen die anderen Götter verteidigte, aber letztlich Zeus unterliegt.
Prometheus stellt sich gegen Zeus, der sich vom ihm betrügen lässt, um einen Grund zu dessen Bestrafung zu haben. Als Prometheus noch einmal mit List dem Götterherrscher begegnet, schickt Zeus Pandorra mit ihre Büchse auf die Erde. Sie wird von Hephaistos und Athene auf Kunstvollste hergestellt und ist "unter der Gestalt eines Gutes ein blendendes Übel". Sie bringt das Übel auf die Erde und Prometheus wird an den Fels des Kaukasus gefesselt. Ein Adler frisst an seiner Leber.
Besonderes: Es gibt bemerkenswerte Parallelen zwischen Prometheus und Jesus: Auch Jesus tritt als Lehrer der Menschen auf und erlöst sie gar durch seinen Tod am Kreuz von der Strafe Gottes (Erbsünde). Auch Jesus wird angekettet (ans Kreuz) und leidet, weil ein Soldat in seine Seite sticht und einen Schwamm mit Essig in die offen Wunde über der Leber schiebt.
Odyssee
Die Odyssee, ca. 800 v. Chr. von Homer aufgeschrieben, schildert die zehnjährige Reise des ithakischen Königs Odysseus von Troja nachhause. Sie ist Vorläufern aller Reiseschilderungen, die zeigen, wie sich ein Held in der Fremde behauptet und als Held und gereift nachhause kommt.
Im 12. Gesang wird beschrieben, wie sich Odysseus, gewarnt durch Kirke, mit List gegen den Gesang der Sirenen wappnet: Er verstopft seinen Gefährten die Ohren mit Wachs, sich selber lässt er an den Mast festbinden, damit er sich der Verführung durch die Sirenen nicht hingeben kann.
Wieder erscheint das Weibliche als Verführung, der Mann aber als einer, der sich der Verführung durch Ignorieren (Wachs in den Ohren) oder List (Odysseus am Mast) entgegen stemmen muss, um nicht in Versuchung und Sünde unterzugehen.
Platon: Oder die ewige Tugend
Kulturgeschichte:
Das Höhlengleichnis von Platon.
Es schildert eine Höhle, deren Insassen die Schatten auf der Wand vor ihnen für die Realität halten. Dieses Höhlenbild, auf den Menschen und sein Verhältnis zur Welt angewendet, besagt, dass wir nicht die Wirklichkeit sehen, sondern nur Abbilder (Schatten) von ihr.
Das Bild der Menschen in der Höhle könnte auf eine geschlossene Gruppe von Menschen bezogen werden, die sich eine bestimmte Vorstellung von der Welt machen und eben nicht die Dinge sehen, sondern das, was ihr Urteil über die Dinge aussagt.
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| Visualisierung von Thom und Deborah |
Weiter schildert Platon, wie ein Mensch aus dieser Höhle ans Sonnenlicht geführt wird. Der Aufstieg ist beschwerlich und schmerzhaft. Diese Mühen könnten für den oft schmerzhaften Prozess des Erkennens stehen: Oft ist es schwer, den Dingen, wie sie sind, ins Auge zu blicken.
Im letzten Teil der Erzählung schildert Platon die Reaktion der "Höhlenmenschen" auf den, der aus der Oberwelt zurückkehrt: Sie verspotten ihn und bringen ihn, als einen der für ihre Welt nicht taugt, um.
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Der Tod des Sokrates
Jacques Louis David
(1748 – 1825) |
Dieser Teil der Erzählung kann für das Schicksal stehen, das Platons Lehrer, Sokrates, erlitt: Er wurde in Athen zum Tide wegen Verhetzung der Jugend verurteilt. Auch Jesus wurde von der Menge an Pilatus zur Bestrafung übergeben: Propheten, Weise und Wissende leben gefährlich.
Erweiterte Deutung:
Platon gab seiner Erzählung eine weitere Deutung: Demnach stehen die Bewohner der Höhle für ein Dasein, das dem Materillen verhaftet ist: All die Dinge, an die wir unsere Lust und unser Begehren hängen und in die wir uns verstricken, sind nur Objekte des Scheins, Abbilder. So ist die schöne Rose oder der Schöne Mensch nichts als ein Abbild der Schönheit - denn wenn sie zugrunde gehen, so ist auch ihre Schönheit aus. Nicht so die Ideen: Die Ideen des Schönen, des Guten und des Wahren sind unabhängig von der Materiellen Welt da. Sie sind die Urbilder, von denen die Materiellen Erscheinungen Abbilder sind.
Der Mensch, so Platon, tut gut daran, seinen Geist auf die ewig gültigen Ideen zu richten - und er soll sich davor hüten, sich mit der Welt zu verstricken.
Ergänzung zu seinem Menschenbild und seiner Tugendlehre:
Der Mensch also ein vom Eros angetriebenes Wesen mit Körper und Geist. Der Körper ist den Sinnen, dem Genuss, dem Rausch und dem Taumel zugeneigt. Wer sich nur von den Körpersinnen leiten lässt, wird sich nach einem kürzeren oder längeren Genuss im Überdruss finden. Teils weil er einen Kater hat, teils, weil ihm die Dinge, sind sie einmal genossen, nichts mehr bedeuten: Denn er hat sie nicht mit seinem Geist erfasst.
Anders der Asket: Sein Eros brennt für das Geistige, er wendet sich den Ideen zu und findet, da er auf das Materielle und dessen Verstrickungen verzichtet, im Geistigen, in den hohen Idealen sein Glück, das ein Ewiges sein wird, weil er sich nicht den Vergänglichen, sondern den ewig gültigen Dingen, den Ideen zuwendet. Der Asket, der Weise und der Künstler strebt dem zu, was seit Platons Höhlengleichnis das „Höhere“ genannt wird. Er findet im Anblick einer Rose die Idee, das Ideal des Schönen verkörpert, er trachtet nach der Einsicht in das Göttliche, indem er meditiert und kontempliert. Er wendet sich vom Rennen, Streben, Hetzen und Zeit verputzen der Sinnesmenschen ab und zieht sich hinter den Schirm der Klostermauern zurück, richtet, wenn er ein Zisterzienser ist, sogar eine Mauer des Schweigens um sich auf und wendet sein Trachten dem Göttlichen zu und feiert unter den Anfechtungen des Zweifels den Sieg des Geistes über die Anfechtungen des Körpers.
--vgl. Darstellungen des Heiligen Antonius
Nun macht aber Askese hungrig und der Mensch fragt sich, wozu ihm Sinne gegeben sind, wenn sie zu gebrauchen verboten wäre. Vor allem der Antike Mensch fragt sich dies und kommt zur Erkenntnis: Es gibt einen mittleren Weg, den Weg der Tugenden: Geniesse UND Erkenne, indem du Mass hältst, dich in Gerechtigkeit übst und den Mut hast, zu deinem Weg zu stehen.
Voilà: Leben leicht gemacht mit Platon, Aristoteles und co.
Leitfragen Inhalt der Probe:
- Die Mythen in Bezug auf ihren Inhalt kennen und zusammenfassen können.
- Die Mythen in Bezug auf ihre Botschaften einordnen können.
- Textstellen aus einem Mythos erkennen, einordnen und kommentieren können